Bundespressekonferenz Berlin

 

Am 11. Mai 2020 stellte die Deutsche Kinderhilfe zusammen mit BKA-Präsident Holger Münch, dem unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung Johannes- Wilhelm Röhrig und dem Vorsitzenden von RISKID e.V. Dr. med. Ralf Kownatzki in Berlin die neuesten Zahlen zu den kindlichen Gewaltopfern vor.

In Deutschland wurden im Jahr 2019 insgesamt 112 Mädchen und Jungen getötet.

Zwei tote Kinder pro Woche in Deutschland durch Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung -und das seit Jahren – sind für mich als Arzt Aufforderung, daran zu erinnern, endlich den Gesundheitsbereich stärker einzubinden, um diese Kinder besser zu schützen. Ärzten muss die ‘interkollegiale Information‘ ermöglicht werden: d.h. die Gelegenheit über ihre Verdachtsfälle miteinander zu sprechen und sich auszutauschen. Die gerade laufende Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII) durch das Bundesfamilienministerium könnte dafür die Rechtsgrundlagen schaffen. Bisher sieht es allerdings nicht danach aus, dass sich da etwas bewegt. Und so steht zu erwarten, dass wir auch zukünftig die hohe Zahl kindlicher Gewaltopfer beklagen dürfen“, beklagt Dr. Ralf Kownatzki, Kinderarzt und Vorsitzender des Vereins RISKID e. V.

Die Zahl der Tötungsversuche sank gegenüber 98 Fällen im Vorjahr auf 87 Tötungsversuche. Versuche, die oft damit enden, dass die Kinder dauerhaft schwer geschädigt waren und kein normales Leben mehr führen können.

Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe:

„Der Rückgang der so genannten Misshandlungen, die eigentlich „Schwere Gewalt gegen ein Kind“ genannt werden müssten, weil hier über einen längeren Zeitraum, mehrfach und besonders quälend Knochen gebrochen, Zähne herausgeschlagen, Organe verletzt, Haut verbrannt, verbrüht, verätzt oder durch Hunger oder auf andere Weise gequält wurde, ist mit einem Minus von 1,91 % (von 4.180 auf 4100 Fälle) eher als nicht signifikant einzustufen. Tendenz also gleich schlecht wie schon im Vorjahr.“

In Zusammenhang mit der Herstellung, dem Besitz und der Verbreitung von sogenanntem kinderpornografischem Material gibt es eine bemerkenswerte Steigerung von 64,61 % (von 7.449 auf 12.262 Fälle).“

Diese Zahlen spiegeln die kriminalpolizeiliche Statistik wieder und beziehen sich damit auf bekanntgewordene Straftaten. Die tatsächliche Zahl der getöteten und misshandelten und missbrauchten Kinder dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

Körperliche Gewalt gegen Kinder gehört in Deutschland leider zum Alltag. Bei etwa 50% erstreckt sich die Misshandlung wie eine chronische Erkrankung über einen längeren Zeitraum: hier kann RISKID als Frühwarnsystem helfen zu „Handeln bevor es zu spät ist“.

Die Politik in NRW hat die Probleme erkannt und bereits 2019 unter dem Eindruck der Missbrauchsfälle von Lügde wegweisende Handlungsempfehlungen formuliert. – die Regelung für die Umsetzung muß aus Gründen der Gesetzgebungskompetenz auf der Bundesebene erfolgen.

Handlungsemfehlung

Wird die Bundespolitik diese Empfehlungen aufgreifen und zeitnah tätig werden?

Pressemappe Deutsche Kinderhilfe e.V.

 

 

 

tagesschau24

Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer, durch BKA Präsident Holger Münch
Bundespressekonferenz: Stellungnahme RISKID, Phoenix TV, 11.05.2020